Activity 4: Deutsche Soaps

Liebe, Intrige, Schicksal: In dieser Activity beschäftigst Du Dich mit einer Soap im deutschen Fernsehen. Serien spielen sicher auch in Deinem Alltag eine wichtige Rolle. Wahrscheinlich schaust Du nicht unbedingt nur deutsche Serien bzw. Soaps, aber es geht hier darum herauszufinden, nach welchen Strukturen Serien generell funktionieren. Du lernst, Medieninhalte kritisch einzuschätzen und zu beurteilen. Die Erarbeitung der inhaltlichen Elemente schließt die sprachliche Analyse der Soaps mit ein. Zur Auswahl stehen zum Beispiel:
- "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" (RTL)
- "Unter uns" (RTL)
- "Alles, was zählt" (RTL)
- "Verbotene Liebe" (ARD, bis 2015)
- "Marienhof" (ARD, bis 2011)
Suche Dir eine dieser Serien aus und schaue Dir zwei oder drei Folgen an.
Einstieg
Was findest du an der ausgewählten Soap gut?
Was findest du an der ausgewählten Soap schlecht?
Welche Gemeinsamkeiten hat diese Soap im Inhalt und im Aufbau mit Deiner Lieblingsserie, die Du regelmäßig schaust?
Woher kommt der Name Soap?
Lies den folgenden Text.
Soap-Operas: Typen und Beispiele
„Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ und „Verbotene Liebe“
Ursprünglich wurden Soap-Operas im Radio ausgestrahlt. Diese so genannten „Radio Serials“ waren bereits in den 1930er-Jahren ein fester Bestandteil des Programms. Da die Hörerschaft überwiegend aus Hausfrauen bestand, wurden die Sendungen sehr schnell von der Werbeindustrie entdeckt. Als Programmsponsoren traten Konsumgüterfirmen wie Procter & Gamble, Colgate-Palmolive oder Lever Brothers auf. Die Assoziation der Sendungen mit dem Waschmittelhersteller Procter & Gamble führte zur Betitelung dieser Sendungen als „Soap Operas“.
Mit der Einführung des Fernsehens wurden die Radio-Soaps für den Bildschirm adaptiert. Während der Erfolg anfänglich vor allem aufgrund der noch geringen Ausstattung der Haushalte mit Fernsehgeräten auf sich warten ließ, stiegen die Zuschauerzahlen in den 1960er-Jahren. Der Herstellung von ‚Seifenopern‘ wurden höhere Budgets zugeteilt, und inhaltlich veränderten sich die Handlungen durch die Aufnahme von Gewalt, die freizügigere Behandlung sexueller Beziehungen und die Betonung des Arbeitsplatzes als Handlungsort.
In den 1970er-Jahren wurden Soap-Operas auch im Abendprogramm gezeigt. Diese wöchentlich gezeigten Prime Time Serials unterschieden sich von ihren Vorläufern durch mehr Spannung und Sensation. Neben dem Großteil von Hausfrauen wurden nun auch Männer, berufstätige Frauen und Studenten zu Zuschauern. Seit Anfang der 1990er-Jahre etablierten sich mit der Kultserie „Twin Peaks“ neue Formen der Soap-Operas, die Produzenten dazu veranlassten ihre Produktionen verstärkt für ein jugendliches Publikum zu konzipieren. Im Gegensatz zu den bis dahin üblichen Soaps standen nun jugendspezifische Themen im Vordergrund. Vor allem die Soap „Beverly Hills 90210“ war seit ihrem Start im Jahr 1990 eine der weltweit erfolgreichsten Soap-Operas.
In der deutschen Fernsehgeschichte gibt es keine vergleichbare Tradition der Daily Soaps. Zwar gab es unterschiedliche Entwicklungen im Bereich der Familienserien, doch Daily Soaps sind erst seit 1992 im deutschen Fernsehprogramm vertreten. Die erste deutsche werktäglich gesendete Soap „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ war Vorläufer einer ganzen Seifenopernwelle. Nach dem erfolgreichen Start von „GZSZ“ nahm RTL die Daily Soap „Unter uns“ in sein Programm auf, und die Entwicklung ging auch an den öffentlich-rechtlichen Programmanbietern nicht vorbei. 1994 sendete das ZDF „Macht der Leidenschaft“, 1995 folgte die ARD mit der Ausstrahlung der Daily Soaps „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“. In den folgenden Jahren kamen weitere Soaps hinzu, die sich jedoch ebenso wie „Macht der Leidenschaft“ nicht auf dem Markt etablieren konnten.
Liebes/Livingstone (1998) unterscheiden drei Typen von Seifenopern, die allerdings selten in Reinform vorzufinden sind. Viel eher stellen die heutigen Daily Soaps Mischformen aus diesen Typen dar:
1) Dynastischer Typ
In Soaps dieser Form geht es um materiellen Besitz, der demonstrativ und prunkvoll eingesetzt wird. Die Hauptfiguren gehören einer wohlhabenden gesellschaftlichen Schicht an.
2) Gemeinschaftlicher Typ
In diesen Soaps stehen die Geschehnisse einer Gruppe von Menschen im Mittelpunkt. Individuelle Probleme werden gemeinsam erlebt und gelöst.
3) Dyadischer Typ
Erzählt werden die Beziehungen zumeist junger Menschen, deren Beziehungsnetzwerke von unterschiedlichen Sozialformen gekennzeichnet sind. Grenzüberschreitungen zum gemeinschaftlichen Typ sind häufig.
Thematisch drehen sich die meisten Soap-Operas vorwiegend um Liebes – und Sozialbeziehungen junger und gut aussehender Menschen. Alltagsthemen wie Musik und Mode sowie explizite Trendthemen sind wiederkehrende Inhalte in Soap-Operas. Die Handlung ist dabei nicht linear aufgebaut. Pro Folge werden drei bis vier Handlungsstränge herausgestellt und fortgesetzt, die abwechselnd wie ein Zopfmuster – daher spricht man von Zopfdramaturgie – erzählt werden. Die ausführlichsten Handlungsstränge werden nicht endgültig abgeschlossen. Sie dienen als so genannte Cliffhanger dazu, dass möglichst viele Zuschauer auch die nächste Folge einschalten.
Mittlerweile gibt es neben den televisuellen Soap-Operas auch Web-Soaps, die über das Internet jederzeit angesehen werden können. Sie unterscheiden sich von den Fernsehsoaps vor allem dadurch, dass die Handlungen der Akteure oftmals von den Rezipienten beeinflusst werden können.
„Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, RTL
Die Vorabendserie wird seit Mai 1992 bei RTL werktags zur besten Sendezeit und damit z. B. in Konkurrenz zur „Tagesschau“ ausgestrahlt. Am 23.5.2012 wurde Folge 5000 mit einer Einschaltquote von 3,65 Millionen Zuschauern gesendet. Die Soap hat trotz gewisser Schwankungen gute Quoten (15.2.2012: 21,9 Prozent der 14- bis 49-Jährigen oder 2,13 Millionen Zuschauer, insgesamt waren es 4,12 Millionen und 13,9 Prozent). Dies liegt auf der einen Seite wohl an der hohen Identifikations-bereitschaft der Zuschauer mit der Serie bzw. ihren Figuren. Auf der anderen Seite liegt das aber auch an der Bereitschaft zur Kommunikation der Serienmacher mit den Zuschauern: Beschweren sich die Rezipienten per Fanpost über den Verlauf der Story, antworten die Autoren schon einmal mit einem offenen Brief („Keine Fan Verarsche! An die Fans! Zunächst einmal vielen Dank für euer anhaltendes Interesse an der Lenny-Carsten-Geschichte! Es ist schön zu hören, dass die Story für so viel Diskussionsstoff gesorgt hat und dass ihr euch für ungewöhnliche, anspruchsvollere und psychologisch genau erzählte Geschichten so sehr interessiert“ usw.; RTL 2010).
Der Hinweis auf „anspruchsvollere und psychologisch genau erzählte Geschichten“ stimmt zwar nicht unbedingt mit den Bewertungen der Serie im Feuilleton überein (z.B. „4000 Folgen ‚GZSZ‘: Charme des Schämens. Miese Schauspieler, absurde Plots...“ Spiegel-Online Kultur vom 2.6.2008), doch kann das Image der Serie kein wirklich schlechtes sein, vermeldet die angesehene Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 22.2.2009 ihren Lesern sogar, dass „der Hund Bolle aus der Fernsehserie ‚Gute Zeiten, Schlechte Zeiten‘ bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen“ ist. Einige Zeitungen und Zeitschriften verwenden für ihre Wirtschafts- und Börsenberichte bei einer Vielzahl ihrer Artikel sicherlich nicht zufällig den zur Redewendung gewordenen Serientitel bzw. spielen damit (z.B. FAZ „Die Börsenwoche: Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Focus Money“: „Versicherungen: Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Aktienstrategie: Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „DaimlerCrysler: Schlechte Zeiten, gute Zeiten“ etc.).
Jemand, der sich auf „dieses industriell gefertigte Produkt seriellen Erzählens [...] nur ausnahmsweise“ anlässlich der 2500. Folge „einließ“, vermag möglicherweise gerade aus einer gewissen Distanz herauszufiltern, was insbesondere die jungen Zuschauer fasziniert: „Vergleicht man die Soap-Dramaturgie mit den Dramaturgien anderer Genres, etwa dem Familien-, Kriminal- oder Abenteuerfilm, fällt die lange Ent- und Abwicklungszeit einzelner Handlungsstränge auf. In einer einzelnen Folge passiert zwar immer sehr viel, aber es geht dabei langsam voran. Immer wieder werden Entwicklungen angedeutet, verschoben, ausdifferenziert, unterbrochen oder wieder aus der Warteschleife hervorgeholt. Die Zuschauererwartung wird dergestalt angereizt, wieder vertröstet, enttäuscht und stimuliert, wieder genährt und doch wieder verweigert. So mag man sich gleichzeitig rasant und doch beinahe stillstehend durch tausende Folgen fressen, immer in Erwartung einer versprochenen Lösung – der Weg ist hier offensichtlich das Ziel.“ So ist das Leben, möchte man hinzufügen, und die Erwartung eines irgendwo versprochenen Lebens, das macht schließlich einen Gutteil der Jugend aus: „So mögen die Zuschauer in GZSZ ihr Leben und sich selbst erkennen, sie sehen sich jedoch auch geträumt, aufgeschminkt und aufgeschäumt, schick und flott gemacht, sie sehen sich wie sie niemals sein werden und doch immer auch schon gewesen sind.“ (Körner 2002)
„Verbotene Liebe“, ARD
„Verbotene Liebe“ wird seit Januar 1995 werktags in der ARD ausgestrahlt. Der „Einseif-Klassiker“ zeigt „Intrigen in der Champagner-Welt“ der oberen Zehntausend (Süddeutsche Zeitung vom 15.7.2005 zur 2500. Folge) bzw. „Geheime Wünsche, verborgene Sehnsüchte und große Intrigen: Dafür steht ‚Verbotene Liebe‘“ teilt die UFA Film & TV Produktion GmbH auf ihrer Webseite mit. Aber wie lange? „Unbeirrt reimte der Hautevolee-Clan rheinischen (Geld)-Adels Folge für Folge ‚Herz‘ auf ‚Schmerz‘, ‚heile Welt‘ auf ‚Geld‘ und ‚Heulen‘ auf ‚Zähneknirschen‘. Allein die Frage, welche Lösung das (zumal öffentlich-rechtliche) Fernsehen dereinst für die verbotene Inzesttriebe des titelgebenden Zwillingspaars Jan und Julia finden würde, mochte selbst für manchen Soap-Verächter Grund und Vorwand gewesen sein, pünktlich um 17.55 Uhr einzuschalten“, spottete einst Christoph Schulheis, bevor er mit der ab Folge 522 mit der Entfernung von Julia grundlegend veränderten Serie abrechnet: „Seither, so muß man mit Bedauern feststellen, seither schmiert sie ab, die Lux unter den deutschen Seifenopern. Mit dem redundanten Auftritt von Ruth Brück als Oma Prozeski nämlich rutschte die liebgewonnene Seifenoperette vom originären Kitsch in die ordinäre Kitschigkeit ab – und die Quote in den Keller. [...]
Der Erfolg des Trivialen erwächst aus der Kluft zwischen kleinem Mann und großer Welt [...]. Nun aber, da alle naselang irgendwelche Prozeskis, ganz im Einklang mit der Erfahrung in der alltäglichen Wirklichkeit durch Traumwelt und Wunsch-vorstellung des gemeinen Zuschauers geistern, da Sozialneid und Bewunderung für die Rich & Famous auch innerhalb der Serie thematisiert werden, macht sich die ‚Verbotene Liebe‘ selbst gemein – und den Zuschauer überflüssig!“ Und doch, muss man aus heutiger Sicht ergänzen, wurde am 18.1.2012 die Folge 4000 von „Verbotene Liebe“ mit ca. 1,6 Mio. Zuschauer(innen) ausgestra
Analyse einer Soap-Folge
Für die von Dir ausgewählte Serie beantworte nun die folgenden Fragen:
Um welche Themen und Probleme geht es?
Welche Eigenschaften haben die auftretenden Personen?
Welche Konflikte gibt es zwischen den auftretenden Personen?
Beschreibe, wie Frauen in der Serie dargestellt werden (Aussehen, Kleidung, Sprache).
Wie werden Männer dargestellt (Aussehen, Kleidung, Sprache)?
Was erfahren wir über das Lebensumfeld der dargestellten Figuren?
Wie realistisch wirken die Personen auf dich?
Wie sind die Dialoge gestaltet?
Wie verläuft der Spannungsbogen einer Folge?
Zur Ästhetik der Daily Soap
Hier findest Du noch etwas Hintergrundwissen zu der inhaltlichen und strukturellen Gestaltung von Soaps. Die Ausführungen basieren auf der Auswertung einer Diplomarbeit zu diesem Thema mit dem Titel "Soap Opera - Analyse eine TV Phänomens" von Antje Susanne Bartnik (Universität Wien).
Serien gelten im Lang&Lit-Kurs übrigens grundsätzlich als “body of work” und können als nicht-literarischer Text beim IO oder für den HL Essay zum Einsatz kommen.
Inhalt
Soaps kreisen um die folgenden Themen:
- Intrigen / Machtspiele / Verbrechen
- Liebe, Sozialbeziehungen im allgemeinen und die damit verbundenen Komplikationen
- Schicksalsschläge wie Krankheit, Unfall oder Tod
Oft werden auch aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen oder Konflikte aufgegriffen, die auf "einfache" Art verarbeitet werden.
Es werden Lebensstile und Life-Style-Muster inszeniert, die an der Erfahrungswelt der Zuschauer anknüpfen, diese dann aber weiterführen und somit Einfluss auf das Leben und Denken der Soap-Konsumenten haben.
Personen
Dem belgischen Medientheoretiker Jean-Marie Piemme zufolge fungieren die Charaktere einer Soap Opera als herausragendes erzählerisches Element, welches den Ausgangspunkt für das Engagement der Zuschauer bildet. Jede Seifenoper präsentiert durchschnittlich zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig regelmäßig in Erscheinung tretende Protagonisten und ist somit im Vergleich zu anderen Fernsehserien, die maximal zwischen fünf und zehn Charaktere vorweisen, geradezu überbevölkert. Die hohe Anzahl an Seifenopercharakteren bietet eine große Auswahl an Handlungsmöglichkeiten mit den damit verbundenen Verwicklungen. Die Vielzahl der Figuren ermöglicht es zudem die vielen, für Soaps so typischen Parallelgeschichten zu konstruieren.
Wie in jedem fiktionalen Text stehen die Personen in den Soap Operas im Mittelpunkt: alle dargestellten Konflikte werden stets aus der persönlichen Sicht der Betroffenen geschildert. Häufig verbinden Zuschauer die einzelnen Handlungsstränge zunächst mit den darin enthaltenen Charakteren und danach erst mit den darin behandelten Inhalten oder Themen. Das Vergnügen an Seifenopern besteht im besonderen Maße aus dem glaubhaft nachvollziehbaren Erleben der Figuren.
Die Erfahrung des Vergnügens an Soap Operas hat darüber hinaus auch mit der Tatsache zu tun, dass die handelnden Figuren den Zuschauern nicht nur deshalb vertraut erscheinen, weil sie mit Situationen konfrontiert werden, die diese bereits schon selbst in der Art oder in ähnlicher Weise erlebt haben, sondern auch weil sie individuell glaubhafte Charakterzüge haben. Nancy K. Baym schreibt: "For a serial to be successful, it must tell a compelling story concerned with interesting (…) believable characters. Characters with whom the audience can personally identify or emotionally empathize. The ingredients are the same (…) required for any good dramatic fare but with one basic difference: that the continuing form allows a fuller development of characterization while permitting the audience to become more and more involved with the story and its people."
Vielfach erläutern die Soap-Fans sogar die Persönlichkeiten einzelner DarstellerInnen, indem sie - wie sie dies wohl bei Freunden und Bekannten auch täten - aufzählen, was ihnen besonders an diesem oder jenem Protagonisten gefällt. Darüber hinaus wissen etliche Zuschauer, ähnlich wie bei Familienmitgliedern oder Bekannten, auch über die individuellen Lebensgeschichten der einzelnen Darsteller sehr genau Bescheid. Im Empfinden der Zuschauer ist die Distanz zwischen Schauspieler und Serienrolle sehr gering, so dass die Illusion entsteht, dass man es hierbei mit einer echten Person und nicht mit einem fiktiven Charakter zu tun hat, der dem Zuschauer als Person erscheint, die unabhängig von den in der Soap gezeigten Erzählsituationen existiert.
Ien Ang weist den Charakteren einer Seifenoper eine besondere Bedeutung zu, wenn sie behauptet: „Die Fähigkeit, sich die Charaktere als wirkliche Menschen vorzustellen, bildet eine notwendige Voraussetzung für das Engagement der Zuschauer und ist Anker für das Vergnügen (…).“ Die Serienrolle und der/die SchauspielerIn verschmelzen somit in gewissem Maße zu ein und derselben Person. Unter den Fans der jeweiligen Seifenoper werden in Folge der tatsächliche Name des Schauspielers und sein fiktiver Rollenname des Öfteren im Wechsel benutzt. Der Charakter wird somit zu einer Person, die den Anschein erweckt, ein autonomes Leben außerhalb der erdachten Handlung der Soap Opera zu führen. Häufig wissen die Zuschauer aber nicht nur über die Vorgänge innerhalb der Seifenoper sehr genau Bescheid, sondern auch über externe Begebenheiten, wie das Auftreten einzelner Soap-Stars in anderen Fernsehprogrammen, deren Erscheinen in Talk Shows, in denen wiederum die Zuschauer die Möglichkeit bekommen noch ein Stückchen mehr über das Privatleben ihrer TV-Helden zu erfahren.
Sprache
Der Dialog als Stilmittel
In Soap Operas stellt der Dialog das wichtigste Stillmittel dar. Ereignisse werden immer aus der Sicht der Betroffenen erzählt. Dies geschieht zum einen, um das emotionale Befinden der Charaktere auszudrücken, zum anderen, um die Zuschauer emotional an die geschilderte Handlung zu binden. Lothar Mikos beschreibt die wichtige Funktion von Dialogen wie folgt: "Die Dialoge dienen vor allem dazu, die innere Befindlichkeit der Protagonisten sowie ihre persönliche Bewertung der Ereignisse in der Serienhandlung zu offenbaren. Die Figuren teilen in den Dialogen ihre innere, subjektive Welt, ihre Wünsche, Bedürfnisse, Ängste, Phantasien, Gefühle (...) mit." Die Unterhaltung bzw. das Gespräch stellt in Seifenopern demnach den Großteil der Geschichte dar. Diese Gespräche sind meist von emotionalen Themenbereichen geprägt und werden von den Charakteren selbst nicht selten unnötig in die Länge gezogen. Zum Fokus der Konversation meint Tania Modleski folgendes: „Action is less important than reaction and interaction“. Dialoge werden in Seifenopern oft von zwei Personen in einem intimen Gespräch geführt. Gelegentlich kommt es vor, dass andere Personen zur Konversation dazu stoßen.
Untersuche diese These anhand einer ausgewählten Soap. Wie sind diese Dialoge sprachlich gestaltet?
Struktur / Spannungsbogen
Fehlende Spannunskurve / Cliffhanger
Ein formales Kennzeichen der Soap Opera ist das fast völlige Fehlen von dramatischen Höhepunkten. Seifenopern weisen sogenannte „mini- climaxes“ auf. Dies bedeutet, dass die Handlung einen bestimmten Punkt an Spannung erreicht, die Ereignisse aber bloß zum Teil aufgelöst werden. Aufgrund von Verwicklungen neuer Geschehnisse wird die Handlung immer wieder aufs Neue verzögert. Die Spannung wird bei Seifenoper- Formaten mithilfe des so genannten Cliffhangers, einem dramaturgischen Stilmittel, aufrechterhalten. Jede Episode wird an der spannendsten Stelle beendet. Wartet der Zuschauer also gerade voller Neugierde auf die Auflösung eines aufregenden Ereignisses, werden die Folge und damit auch das Geschehen der Handlung für diesen Tag unterbrochen. Somit ist der Zuschauer angeregt, sich die darauf folgende Episode anzuschauen, denn nur so erfährt er, wie sich die Handlung weiterentwickeln wird. Am Ende einer Folge wird meist eine Nahaufnahme der als letztes im Bild eingeblendeten Person bzw. eine Aufnahme ihres Gesichtes gezeigt. Diese Person ist emotional aufgeladen: sie hat entweder soeben etwas Negatives erfahren, oder ist von anderen starken Gefühlen überwältigt. Diese emotionale Reaktion des Darstellers/der Darstellerin, brennt sich in das Gedächtnis der Zuschauer ein, die nun mit den neu auftauchenden Problemen alleingelassen werden.
Untersuche eine Soap-Folge hinsichtlich ihrer "mini-climaxes" sowie des Cliffhangers.
Kamera
Christine Geraghty hat zum Thema Kameraeinstellung folgende Meinung: "(...) the close - ups of faces, of important objects, the deliberate movement of a character across a room, the lingering of the camera on a face at the end of a scene, the exchange of meaningful glances- work to make every gesture and action seem highly coded and significant, marking out emotional relationships and enabling the audience to understand the significance of every action."