Kursüberblick
Im Folgenden möchte ich einen Überblick darüber geben, wie der Language & Literature-Kurs strukturiert ist und welche Aspekte Sie bei der Planung beachten müssen.
Es gibt drei Untersuchungsbereiche:
a) Readers, Writers, Texts: Leser, Autoren, Texte
b) Time and Space: Zeit und Raum
c) Intertextuality: Intertextualität
In den areas of exploration werden sowohl literarische als auch nicht-literarische Texte gelesen. Die areas of exploration sind nicht als voneinander getrennte Einheiten zu verstehen. Sie gehen ineinander über und ergänzen sich gegenseitig. Am besten stellt man sich die drei Untersuchungsbereiche als Spirale vor.
Der IB Guide gibt so genannte conceptual questions (inquiry questions) für jede der drei areas of exploration vor. Diese helfen, jeweils einen bestimmten Blickwinkel bei der Analyse der literarischen oder nicht-literarischen Texte einzunehmen. Sie können als Lehrer frei entscheiden, welche conceptual questions Sie wählen.
Die sieben Konzepte, die im IB Guide im Einzelnen erläutert werden, sind: identity, culture, creativity, communication, perspective, transformation und representation. Sie dienen, genauso wie die drei areas of exploration, als strukturierende Elemente bei der Kursplanung. Sie können nicht isoliert betrachtet werden, denn sie interagieren sowohl mit den areas of exploration als auch untereinander. Am besten kann man diese Konzepte im Unterricht mit "Leben füllen", indem man sie in conceptual/inquiry questions umformuliert und mit ihnen bei der Analyse der verschiedenen literarischen und nicht-literarischen Texte arbeitet.
Identity/Identität
Inwiefern spielt die Identität des Autors bei der Textproduktion eine Rolle?
Welche Rolle hat die Identität des Lesers für die Textinterpretation?
Culture/Kultur
In welchem kulturellen Kontext steht ein Text?
Welche kulturellen bzw. gesellschaftlichen Werte werden in einem Text transportiert?
Wie beeinflusst der kulturelle Kontext die Perspektive von Autor oder Leser?
Creativity/Kreativität
Warum braucht ein Leser Kreativität bei der Texterschließung?
Welche Rolle spielt Kreativität im Schreibprozess?
Communication/Kommunikation
Auf welche Weise, mit welchen stilistischen bzw. narrativen Mitteln, vermittelt ein Autor dem Leser eine bestimmte Botschaft in einem Text?
Warum kann die Kommunikation zwischen Autor und Leser scheitern?
Perspective/Perspektive
Wie beeinflusst die Perspektive des Lesers das Textverständnis?
Inwiefern beeinflusst der zeitliche Kontext die Perspektive des Lesers oder auch des Autors, der in seinem Text eine bestimmte Perspektive zum Ausdruck bringt?
Transformation/Transformation
Inwiefern ist der Prozess des Lesens transformativ für einen Text?
Inwiefern beziehen sich Texte aufeinander bzw. borgen Elemente voneinander aus?
Was passiert mit einem Text im Rahmen solcher Transformationsprozesse? Stichwort Intertextualität!
Welche Rolle spielt Kreativität bei der Transformation?
Representation/Darstellung
Welche Rolle spielt die narrative Struktur, der Stil, die Wortwahl, also die Form eines Textes, für das Textverständnis und die Bedeutung?
In welchem Verhältnis stehen Text und Realität zueinander?
Wie Sie sicher bemerkt haben, gibt es unter den Konzepten bzw. den Fragestellungen Überschneidungen und Verflechtungen.
Paper 1
Es handelt sich um eine guided textual analysis. SL-Kandidaten müssen einen nicht-literarischen Text analysieren. Im HL müssen die Schüler zwei nicht-literarische Texte verschiedener Textsorten separat analysieren. Sie schreiben also zwei Textanalysen. Es gibt sowohl im SL als auch im HL eine guiding question zu jedem Text, auf die die Analyse klar fokussiert sein soll.
Paper 2
Es handelt sich um einen vergleichenden Aufsatz (comparative essay) zu zwei literarischen Werken. Die Schüler wählen eine von vier Fragen aus. Die vier Fragen sind identisch mit denen des German A: Literature-Kurses.
HL Essay
Der Essay bezieht sich auf einen vom Schüler ausgewählten literarischen oder nicht literarischen Text, der im Unterricht besprochen wurde und der unter einer selbst gewählten Fragestellung analysiert und interpretiert wird. Die Länge des HL Essay beträgt 1.200 bis 1.500 Wörter. Wenn kürzere, nicht-literarische Texte die Grundlage des Essays bilden, müssen diese einem body of work entstammen.
Internal assessment
Es handelt sich um ein individual oral von 15 Minuten, sowohl im SL als auch im HL. Als Basis des orals dienen zwei vom Schüler selbst gewählte und im Vorfeld vorbereitete Texte bzw. Textausschnitte: ein Text bzw. Textausschnitt ist literarisch, der andere nicht-literarisch. Als übergeordnete Fragestellung dient der folgende prompt: "Examine the ways in which the global issue of your choice is presented in the two extracts studied". Der nicht-literarische Textausschnitt muss einem body of work entstammen.
Für alle Sprachen gibt es jeweils nur eine Liste, die prescribed reading list. Auf dieser Liste finden sich nur Autorennamen, keine Werknamen. Sie sind also frei in der Auswahl der Werke. Zumal gibt es sowohl im SL als auch im HL noch die "free choice". Es handelt sich um eine echte "free choice" ohne jegliche Vorgaben.
Learner Portfolio
Das Schülerportfolio ist ein wichtiger Bestandteil des Kurses. Es spielt eine zentrale Rolle für die diversen assessments.